NOTES FROM A WINEMAKER - GUT OGGAU

Gut Oggau - das sind Stephanie und Eduard Tscheppe-Eselböck, sie führen und bewirtschaften ihr Weingut am Neusiedlersee im Burgenland biodynamisch.

Sie haben uns einen Rückblick und Ausblick geschickt, den wir gerne mit euch teilen:

Bei uns nimmt alles seinen Lauf, wir sind am Winterschnitt, bis jetzt lässt uns das Wetter gut vorankommen.

Seit letztem Jahr haben wir die Anstrengungen intensiviert, den sanften Rebschnitt nach Simonit & Sirch umzusetzen, eine Methode, die garantiert, dass die Saftströme in der Pflanze gestärkt werden, große Wunden vermieden werden und die Gesundheit des Holzes gewährleistet wird.

Dies wird unseren erwachsenen Pflanzen helfen, sich gegen Holzkrankheiten wie Esca zu wappnen und den gesunden Ertrag langfristig sichern.

Im Dezember haben wir eine weitere Parzelle gesetzt, wie auch in den letzten Jahren mit hoher Stockdichte und auf Stockkultur.

Der Fokus in den Sorten liegt dieses Mal auf Kreuzungen von Blaufränkisch mit amerikanischen Hybriden.

Hier sind wir wieder bereit, mit neuen Sorten zu experimentieren, um die Toleranz der Sorten gegen Pilzkrankheiten zu nutzen und diese zu stärken, gleichzeitig aber nach Möglichkeit auf Kupfer und Schwefel in der Behandlung zu verzichten.

Zwischen den Reben pflanzen wir jede Menge unterschiedlicher Bäume, um die Biodiversität zu unterstützen, die Reben langfristig zu beschatten und mehr über den Ansatz des Agroforstes zu lernen.

 

Von unserer ersten Stockkultur, die wir 2018 gepflanzt haben, haben wir die ersten Früchte im Herbst eingebracht, der Saft und der mittlerweile durchgegorene Weine schmecken so vital und vielversprechend, dass sich all der zusätzliche Aufwand in diesen Anlagen mehr als lohnen wird.

Um die jungen Reben allerdings im letzten  trockenen heißen Sommer nicht über die Maßen beanspruchen, haben wir einen guten Teil der Trauben vorzeitig vom Stock genommen, daher können wir diesen ersten Saft noch nicht mit Euch teilen, dafür ist die Menge noch zu klein, mit dem nächsten Jahrgang 2022 könnt Ihr Euch dann aber mit uns freuen.

 

Und mit dem heißen, trockenen Sommer sind wir schon beim letzten Jahrgang, der unseren Pflanzen, unserem Team und uns wieder Einiges abverlangt hat.

Schlussendlich haben wir ab Ende August wieder wunderschöne, gesunde, ausgewogen reife Trauben geerntet, die mit überraschender Frische die Einzigartigkeit dieses Jahrganges deutlich betonen.

Kaum je haben wir um diese Zeit so viel von den Weinen aus den Fässern gekostet oder besser getrunken, weil sie fesselnd, anders, zupackend und unfassbar animierend sind.

 

Die meisten der Weingärten für die Maskeraden sind mit 2021 auch umgestellt und damit Demeter zertifiziert, und damit hat sich unsere Weinfamilie verändert und einen Schritt nach vorne gemacht.

Wir haben uns dazu entschlossen, Wiltrude (Süss) aus der regulären Weinfamilie zu entlassen, zu selten ist sie in den letzten Jahren zu Gast.

Zu gesund sind unsere Trauben, zu schwer tut sich die Botrytis in unseren Weingärten.

Die Türen und Tore sind für sie aber immer offen, wenn ein Jahrgang uns einst wieder eine schöne Edelfäule bringt, werden wir sie selbstverständlich wieder als Gast bei uns willkommen heißen.

 

Dafür gesellt sich eine neue Weinpersönlichkeit zu uns.

Wir freuen uns, Euch Cecilia, ein neues Mitglied der Elterngeneration, vorzustellen. Sie kommt von einem wunderschönen Weingarten auf Kalkböden aus den Hügeln von Oggau.

Im Schnitt 40 Jahre alte großteils weiße, aber auch etliche rote Reben stehen in Eintracht nebeneinander und werden auch gemeinsam verarbeitet.

Diesen Weingarten bewirtschaften wir seit 2020 unter Stock ausschließlich mit unseren Pferden, diesen Unterschied spürt man auf Grund der eigenen und überraschenden Vitalität dieser vor Energie sprühenden Persönlichkeit, die sich in keine Schublade pressen lässt, selbstbewusst und stark, gleichzeitig aber auch einfühlsam und sanft ist.

 

Rückblickend sind wir glücklich und stolz zu hören, wie viel Freude unsere Weinfamilie auch letztes Jahr den Genießern bereitet hat.

 

Unser ständiges Streben, unsere Böden und Reben sensibel und sorgfältig zu bearbeiten hat uns mehr und mehr in die Richtung geführt, dass wir mit viel Hand- und Fußarbeit, aber mit möglichst wenig Maschinen in der Bewirtschaftung auskommen werden, dass wir das tierische Element mehr und mehr in unseren Hofkreislauf integrieren und das wir unsere Umgebung, unser Leben und unseren Hof als biodynamischen Leuchtturm in diesen stürmischen Zeiten etablieren.

Wir bekennen uns dazu, unsere Mitarbeiter fair zu behandeln und gut zu bezahlen, unseren Böden möglichst wenig mit Maschinen zu belasten, den Verbrauch fossiler Energie auf ein Minimum zu beschränken, Ressourcen aufzubauen statt zu verbrauchen, weiter an einer nachhaltigen Kompostwirtschaft zu feilen und mit Partnern zusammenzuarbeiten, die mit ähnlicher Sorgfalt wie wir wirtschaften.

Unsere Reben sind gesund und in guter Verfassung, wir werden weiterhin viel Liebe und Energie einbringen, damit wir sie für die Zukunft fit halten, was auch mit sich bringt, dass wir die Erträge auf einem gesunden Maß drosseln, in einer Größenordnung, die einen Bruchteil von extensiv bewirtschafteten Weingärten hergibt.

 


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