Jean-Yves Péron. Der Zauberer aus den Alpen.
Er macht Weine rund um Albertville, südwestlich vom Mont Blanc. Die Reben stehen mitten im Berg in Kleinstparzellen. Teils sind sie über hundert Jahre alt. Die Geschichte eines unserer Lieblingsproduzenten.
Gründungsjahr: 2004
Region: Savoyen
Ort: Albertville
Klima: alpin
Boden: Schiefer, Quarz, Kalk, Lehm
Farming: biodynamisch
Rebsorten: Jacquere, Mondeuse, Altesse, Gamay, Roussane, Gringet, Moscato, Grignolino, umv.
Winemaking: Zero Zero
Ich erinnere mich noch genau an das erste Kennenlernen von Jean-Yves. In den Höhlen der Caves Ackerman, im Rahmen der La Dive. Etwas schummriges Licht, viele Menschen. Ein Mann in roter Lederjacke, eine Brille, wie sie sonst nur John Lennon getragen hätte. Vor ihm fünfundzwanzig verschiedene Weine und mindestens doppelt so viele Leute, die dringend etwas kosten wollen. Er steht dazwischen, redet, erklärt, dirigiert. Andere wären genervt und müde, seine wachen Augen funkelten von Neugierde.
Die Weine kannte ich schon. Seit Jahren gehören sie zu den großen Favoriten des Weinskandal-Teams. Es sind solche Weine, die wir an einem Freitag öffnen, um ins Wochenende zu starten. Flaschen, bei denen wir abschalten können. Genießen.
Der gebürtige Savoyarde begann den Weinbau klassisch mit Wanderjahren. Bei Thierry Allemand und Bruno Schueller. Rhône und Elsass. Zwei Legenden des Naturweins. 2004 kehrte er dann zurück in seine Heimat. Nach Albertville. Einige von euch kennen den Ort vielleicht noch von den Olympischen Winterspielen 1992. Heute gilt er selbst als Lehrmeister, unter anderem für Morgane Turlier und Ylan Mathieu von La Cordée Blanche.
Seine Weingärten befinden sich zwischen 350 und 550 Metern über Seehöhe. Es sind winzige Kleinstparzellen, die sich an Hänge mit bis zu 60% Steigung klammern. Traktoren haben hier keinen Platz, jede Bewegung ist reine Handarbeit, gearbeitet wird im Rhythmus der Natur. Die kargen Böden sind facettenreich und reichen von Glimmerschiefer über Quarz bis zu kalkigen Lagen.
Jacquère ist seine Muse. Mondeuse sein Meisterwerk. Die vielen verschiedenen Expositionen, Böden und Rebsorten im Anbau finden ihren Weg auch in die Flasche, er bringt jedes Jahr an die 20 verschiedenen Weine heraus. Jean-Yves schafft es, wie kein anderer, über die Maischevergärung Gerbstoffe zu erlangen, die an Tee erinnern. Grüntee, Earl Grey, je nach Sorte. Nichts brachiales, sondern ganz feine Strukturen. Hier bedeutet Maischevergoren nicht wuchtig oder staubig, sondern fein ziseliert und elegant. Alle Weine sind ohne jegliche Zusätze abgefüllt, oder wie es die Branche oft nennt - Zero Zero.
Auch im benachbarten Piemont macht er Weine – „I Vicini“, aus der Nachbarschaft, nennt er diese. Aus nahezu vergessenen Rebsorten wie Cortese, Favorita und Grignolino. Etwas Barbera und etwas Moscato.
Das klingt weiter entfernt, als es ist! Selbst mit einem Traktor, inklusive Anhänger fährt er in der Früh los und verarbeitet die Trauben noch am Abend im eigenen Keller. Cortese gewohnt mineralisch und schlank. Moscato mit fast orientalischer Fruchtaromatik, wobei der Gerbstoff ihn wunderbar zügelt. Von der Süße die man aus Asti kennt hier keine Spur. Ein Wein wie Eistee Pfirsich. Der Barbera zeigt Frucht und Würze gepaart mit immenser Länge. Kein Blockbuster, doch auch nicht zu zart besaitet.
Jean-Yves ist ein Forscher, ein Entdecker. Auch nach über zwanzig Jahren findet man ihn nie im Stillstand. Über die Unterlagsreben von alten Anlagen zerbricht er sich den Kopf, unerlässlich probiert er neue Fässer und Amphoren. Am liebsten würde er wohl jedes Jahr 120 verschiedene Weine machen. Er bleibt ein großer seiner Zunft. Jemand, dessen Weine weltweit Emotionen hervorrufen. Leute zusammenbringen. Und darum geht es ja am Ende!