Christian Tschida ist ein Mann vieler Namen. Enfant Terrible, Mister Magic, CT, et cetera. Eine Mischung aus Rockstar und Mythos. Rampensau und Introvertierter zugleich. Alle scheinen ihn zu kennen, doch viel gibt er nicht von sich preis.
Gründungsjahr: 2003
Region: Burgenland
Ort: Purbach
Klima: pannonisch, kontinental
Boden: Kalk, Schiefer, Quarz, Eisenoxid
Farming: biologisch zertifizierte Weingärten
Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay, Pinot Noir, Syrah, Cabernet Franc, uvm.
Viele verbinden Christian Tschida mit dem Ort Illmitz, östlich vom Neusiedler See. Immerhin trägt er keinen unbekannten Familiennamen für den sogenannten Seewinkel, hier gibt es Tschidas, wie Sand am Meer.
Doch interessant für seine Weine wird es eigentlich auf der anderen Seeseite. Am Leithagebirge, eine der letzten Erhebungen der Alpen, hat er sich Im Laufe der letzten zwei Dekaden mit viel Fingerspitzengefühl und Akribie Stück für Stück seine Weingärten wie ein Mosaik zusammengestellt. In Purbach, primär der Lage Edelberg um genau zu sein. Fast 300 Meter über dem Meeresspiegel , hoch oben direkt unter dem Sattel des Leithagebirges, werden sie hinten und seitlich von Wald begrenzt. Hier entsteht ein extrem interessantes Mikroklima! Ein leichter, aber stetiger Wind vermischt die Kühle vom Wald mit der Wärme der Sonne, die sich zusätzlich im See spiegelt – zweifache Belichtung für die Reife der Trauben. Geologisch gesehen spielen wir hier auch in zwei Welten - eine Art Linie zieht sich quer durch die Weinberge. Der obere Teil, nah am Wald, ist kühler und schattiger. Er ist geprägt vom dunklen Schiefer, ein blättriges, poröses Gestein, das die Wärme stark speichert, aber auch Wasser gut durchleitet. Der exponiertere Teil darunter besteht zu großen Teilen aus Kalkstein – in einzelnen Inseln nahezu weiß strahlend. Er speichert kaum Hitze und bleibt kühl. Das kann man sich vorstellen wie bei geparkten Autos im Sommer.
Die Weingärten selbst stehen im Rahmen der Konkurrenz. Viele Reben auf wenig Fläche, das hat er sich im Burgund und in der Champagne abgeschaut – die Reben wurzeln in die Tiefe, statt in die Breite. Zwingt sie, sich tief in den Kalk- und Schieferboden zu graben. Um das in Zahlen ausdrücken, in dem knappen Hektar, den der Laissez-Faire Weingarten fasst, stehen fast 9.000 Stöcke Riesling. Der Zeilenabstand variiert dabei, abwechselnd schmal und etwas breiter – für ihn der perfekte Ausgleich zwischen Pflanzdichte, Selbstbeschattung und angenehmer Bewirtschaftung. Wichtig ist Christian den Boden nicht zu öffnen, keine starken maschinellen Eingriffe. Das fördere das Wachstum der Reben zu stark. Pflanzenschutz sei kein Hexenwerk, meint er. Wie die meisten anderen beschränkt er sich auf Schwefel, Kupfer, Kompost und etwas Backpulver gegen Pilzbefall. Im Keller mache er eigentlich nichts – Ganztraubenpressung, dann ins Stockinger und am Ende in die Flasche.
Oder in seinen eigenen Worten „there is no winemaking“.
Die Weine selbst strotzen vor Druck. Es sind texturelle Weine, voller Struktur und Spannung. Festgelegte Charakteristika lassen sie dabei hinter sich stehen. Dabei sind sie nicht wild oder freaky, sondern mit feiner Feder geführt. Offen bleibt nur, ob das enfant terrible zahmer oder unsere Gaumen freier und offener geworden sind. Christian bleibt ein wichtiger Akteur des österreichischen Natursweins. Jemand, der Österreich auf alternative Weinkarten von New York bis Tokyo gebracht hat. Ein Individualist, der abseits von Regeln und dennoch im Mainstream agiert.
Weinskandal On Tour im Burgenland - Zu Gast bei Christian Tschida